JARITZ in Rüdigershagen
Die erste Erwähnung des Ortes erfolgte 1370, als 2
Brüder Heinrich und Rüdiger die Herren des Burgsitzes
vom Hagn wurden. Danach gibt es nur wenige Aufzeichnungen bis zum
Beginn des Kirchenbuches 1731.
Ein Träger des Familiennamens JARITZ dürfte erst Ende
des 16. Jahrhunderts nach diesen Ort gekommen sein. Zu dieser
Zeit war Christoph von Hagen Lehnsmann des Erzbischofs Sebastian
von Mainz. Er hatte noch in 35 Ortschaften Grundbesitz, teils
Freigüter, teils verlohnte Grundstücke. Über die
Güter und das Dorf Rüdigershagen wurde ein Lehnsbrief
durch Herzog Ernst zu Braunschweig am 19.02.1554 ausgestellt.
Nachdem ihm alles zugesprochen war gab er 1568 verschiedene
Ländereien an die Einwohner des Dorfes zu Lehne. Unter den
52 Lehnsmännern war der Name JARITZ noch nicht vertreten. 7
Ackerleute bekamen außer ihren Höfen 26 Hufen 15 1/2
Morgen Acker und gaben dafür jährlich 9 Malter Weizen
13 Malter Roggen, 20 Malter und ein Scheffel Hafer, 27
Hähne, 40 Rauchhühner und 13 Schock Eier. Die
übrigen Lehnsmänner wurden als Hintersättler
bezeichnet, sie verfügte nur über kleinere
Ackerflächen.
Weiter finden wir in der Ortschronik von Rüdigershagen,
sie befindet sich im Pfarramt des Dorfes, den ersten Hinweis auf
den Namen JARITZ. Danach lebte im Jahr 1618, als der
30jährige Krieg ausbrach, Wolf JARITZ als Gerichtsschreiber
bei denen von Hagen. Die Existenz von Wolf JARITZ wird durch ein
Aktenstück bestätigt, daß der Pfarrer Paul Ludwig
Held in Großbrüchter anlegte. In seinem Dorf lebte
danach der Schmied Bernd JARITZ, sein Geburtsdatum wird um Petri
1635 in Rödershagen angegeben, der Todestag war am
17.05.1695. Als Eltern werden der Gerichtsschreiber zum Hagen
Wolf JARITZ und Dorothea Schneider aus Zaunröden genannt.
Bernd JARITZ hatte um Martini 1663 Anna Christina GUNCKEL, die
Tochter des Schmiedes Hans GUNCKEL, aus Keula geheiratet. Sie
starb am 10.12.1665.
Eine Huldigungsliste vom 31.07.1671 enthält die Namen von
Cyriax JARITZ, Ambrosius JARITZ und Hans Wolf JARITZ, sicher drei
weitere Söhne von Wolf JARITZ. Wem der Huldigungseid galt,
ist nicht bekannt. Das Original befindet sich unter der Reg. Nr.
Cal.Br. 22 Nr. 788 II, S. 744 R, V und 745 R im
Niedersächsischen Hauptstaatsarchiv Hannover.
Lt. Specification Capitationsgelder vom 25.02.1675 wurden
veranlagt:
Ambrosius JARITZ Mann, Frau, 2 Kinder l Thaler 24 Groschen Cyriax JARITZ Mann, Frau, 2 Kinder l " 24 " Hans Wolf JARITZ Mann, Frau, Magd keine Gebühren
In der Specificatio der Rüdigershagener Leute vom
10.02.1680 sind aufgeführt:
Braunschweigische Einwohner: Ciriax, Ambrosius, Ciriax und Hans Heinrich JARITZ Schwarzburgische Einwohner : Hans Wolff und Hans Ciriax JARITZ
Weitere Hinweise finden wir in der Kopfsteuerbeschreibung der Fürstentümer Calenberg-Göttingen und Grubenhagen von 1689. Bearbeitet von Herbert Mundhenke, erschienen 1969 in der August Lax Verlagsbuchhandlung. Danach lebten als braunschweiger Einwohner in Rüdigershagen:
1. Christoph JARITZ, Vollmeier °° NN mit 4 Kindern unter 12 Jahren, l Ackerjunge NN
und einer Kleinmagd NN. Er bewirtschaftete 92 Morgen und zahlte 6 Th. 17 Gr.
1678 war Ambrosius JARITZ °° NN mit 2 Kindern über 14 Jahren noch Hofbesitzer gewesen
2. Cyriax JARITZ, Vollmeier, l Ackerjunge NN und l Kleinmagd NN, Er besaß 89 Morgen
und zahlte 4 Th. 35 Gr. 1678 lebte noch seine Frau und 2 Kinder über 14 Jahren.
3. Hans Heinrich JARITZ, Kleinkötner und Schmied °° NN mit 4 Kindern unter 12 Jahren.
1678 erfolgte nach kein Vermerk.
4. Hans Wolf JARITZ, Kleinkötner °° NN mit l Kinde über 12 Jahren. Er bewirtschaftete
21 Morgen und zahlte l Th, 18 Gr. 1678 wurde er nicht genannt.
5. Hans Georg JARITZ, Kleinkötner °° NN mit 2 Kindern unter 12 Jahren. Er hatte 7 1/2
Morgen Acker und zahlte 27 Gr. 1678 wurde er noch nicht genannt.
Rüdigershagen hatte in dieser Zeit 227 braunschweigische und 41 schwarzburgische Einwohner.
Im Jahre 1701 klagten Claus Barthel JARITZ, Hans Georg JARITZ
und weitere Gemeindemitglieder in Osterode gegen den Schullehrer
Johann Friedrich RAHAUSEN wegen schlechter Verwaltung seines
Amtes. Welche Stellung die ersteren hatten, geht daraus nicht
hervor.
Die Kirchenbücher von Rüdigershagen beginnen 1731. Die
erste Eintragung des Namens JARITZ auf Seite 8 lautet:
29.Nov. 1733 Hans Bernhard wurde ein Sohn geboren und Hans
Balthasar genannt
Die Nachkommenschaft des Wolf JARITZ muß in dieser Zeit
schon recht groß gewesen sein, denn es fanden in den
folgenden Jahren verstärkt Trauungen statt.
Diese waren in den ersten 10 Jahren:
30.01.1742 Hans Baltzer JARITZ / Anna Elisabeth DEMME 20.10.1744 Hans Valtin JARITZ / Anna Margreth BÖTTGER 11.04.1747 Hans Heinrich JARITZ / Anna Margreth SCHNELLHARDT 08.05.1747 Hans Barath JARITZ / Anna Catharina WIESEN 11.04.1752 Georg Barthel JARITZ / Marie Christine FERNKORN
Auch in den nächsten Jahrzehnten wuchs der
Familienverband und so gab es bereits 1830 17 Familien JARITZ in
Rüdigershagen. Darüber hinaus waren aber auch
Söhne in die Nachbarorte und in weiter entfernt liegende
Dörfer gezogen.
In Zaunröden lebten 1673 Hans Christoph JARITZ mit Ehefrau
N. Catharina. Die Geburt ihrer Kinder erfolgte: ( Hans Christoph
† Zaunröden 18.03.1692 )
23.11.1673 Anna Elisabeth O9.01.1677 Hans Martin 09.04.1678 Johann Georg 02.08.1683 Margaretha 06.08.1684 Anna Catharina
Der Sohn von Hans Christoph J., Hans Georg heiratete in 2. Ehe in Keula am 28.01.1716 Heye, Anna Martha. Über seine 1. Ehe ist nichts bekannt. In Keula wurden 6 Kinder geboren und getauft:
26.05.1717 Johann Christoph † 26.08.1717 02.12.1718 Johann Christoph 17.07.1722 Anna Elisabeth 07.09.1726 Johann Wilhelm 10.09.1729 Martha Sophia † 03.09.1730 22.07.1733 Johann Heinrich
In Klein Keula gab es im Laufe der Jahre ebenfalls mehere
Familien JARITZ. 1790 war Christoph JARITZ der Schulze in diesem
Dorf. Die Kirchenbücher von Klein Keula fangen 1687 an, hier
können weitere Forschungen noch recht aufschlußreich
sein.
In Saalfeld bei Mühlhausen wurde am 07.11.1717 Johann
Bernhardt JARITZ geboren. Er starb am 30.06.1780 in
Sondershausen. Die Nachkommen lebten im Raum Sondershausen und im
Oldenburger Münsterland. In diesen Familien gab es mehere
Kaufleute, Pfarrer und Förster.
Am 04.08.1726 ließ Wilhelm JARITZ seinen Sohn Johann
Wilhelm in Großwechsungen taufen. Als Pate wird Barthold
JARITZ aus Heringen genannt. In Niedersachswerfen wurden getauft:
07.07.1743 Anna Maria Juliane und am 02.09.1747 Andreas
Christian. Die Eltern waren Johann Conrad JARITZ und Anna
Elisabeth Krafft. Der Vater starb im selben Ort am 02.03.1756 im
Alter von 68 Jahren.
Am 28.11.1723 heiratete der Kirchenvorsteher der
Ägidienkirche Rodewald in Hannover Samuel JARITZ / GROTE,
Christina Elisabeth.
( Quelle: Schloß Kirchenbuch Hannover)
Valentin JARITZ, Hutmacher aus Thüringen, heiratet in Reval
am 10.04.1768 in St. Nicolai ALANDT, Anna Maria. Er starb am
02.06.1808.
( Quelle: AL 9502 Schultz Dorpat )
Am 27.09.1772 wurde in Großengottern Schott, Johann Conrad
Martin mit Jfr. JORITZ, Catharina Elisabetha getraut. Als Vater
wird Meister Johann Niclaus JORITZ genannt als Innw. und
Schneider in Schonstedt.
( Quelle: Schriftenreihe der AMF Nr. 49 Heiraten in
Grossengottern )
Im Stadtarchiv Langensalza befindet sich eine Ahnenliste vom
Wagner Johann Cyriacus JARITZ. Er starb in Schönstedt 1754
im Alter von 66 Jahren. Als Geburtsort wird Rüdigershagen
genannt. Von hieraus breitete sich die Familie nach Langensalza
Groß-vargula und Mühlhausen aus.
Sicher wird es noch in weiteren Orten des Thüringer Raumes Vorkommen des Namens JARITZ gegeben haben bzw. noch geben, denn meine Suche erstreckte sich nicht systematisch auf alle Gemeinden des Landes. Es stellt sich aber auch die Frage, ob es sich hierbei nur um Nebenlinien handelt, die alle ihren Ursprung in Rüdigershagen gehabt haben, oder ot bereits im 16. Jahrhundert nicht doch schon an anderen Stellen des Landes der Name voi kam. Es bedarf daher der weiteren Forschungen in den Archiven des Landes. Vielleicht läßt sich dadurch noch eine Klärung herbeiführen.
Die Berufe und Wohnungen der einzelnen Familien im Jahr 1890 in Rüdigershagen
JARITZ, Wilhelm Stellmacher Unterdorf l JARITZ, Ernsts Wwe. Spinnerin " 5 JARITZ, Robert Kupferschmied " 5 JARITZ, Wilhelm Hufschmied " 6 JARITZ, Heinrich Hufschmied " 6 JARITZ, Gustav I Schulze und Landwirt " 9 JARITZ, Gustav II Handelsmann " 9 JARITZ, August Handelsmann " 10 JARITZ, Christoph Handelsmann " 12 JARITZ, Ernst Handelsmann Rautengasse 19 a JARITZ, Friedrich Schenkwirt Kirchstraße 39 a JARITZ, Heinrich Handelsmann " 39 b JARITZ, Ernst I Handelsmann Thorstraße 31 JARITZ, Karl Handelsmann " 37 a JARITZ, Wilhelm Handelsgehilfe Wallstraße 53 JARITZ, Ernst II Kupferschmied " 64 JARITZ, Heinrich Handelsmann Brücke 65 JARITZ, Hermann Handelsmann Ledenstraße 67 JARITZ, Ernst IV Knecht Schäferei 97 JARITZ, Ludwig Handelsmann Wasserstr. 99 JARITZ, Balthasars Ww. Spinnerin " 106 JARITZ, August Tischler " 106 JARITZ, Friedrich Handelsmann " 114 a
Um die einzelnen Familien besser unterscheiden zu können
bediente man sich meherer Spitznamen. Der Kupferschmied wurde
Blechpumper, der Hufschmied Süßens gerufen. Weitere
Namen waren: Lute, Balzer, Füchse, Lottchen, Schenke Gustav,
Krickmann, Luckener und Dresslersch.
Der Kupferschmied Hans Baltzer JARITZ war, nach den bisherigen
Ermittlungen, der erste Fürstlich Schwarzburgische Schulze
in Rüdigershagen. Er hatte dieses Amt bis 1811
ausgeübt. Seine Nachfolger waren:
Johann Heinrich JARITZ bis 1834
Ernst August Friedrich Bernhardt JARITZ bis 1859
Heinrich Carl Gustav JARITZ ab 1859 bis 1867
Christoph JARITZ 1867 - 1877
Gustav JARITZ 1877 - 1893
Robert JARITZ 1893 - 1898
In Deutschland ermittelte ich 1997 115 Familien und einzelne Personen die den Namen JARITZ trugen und in Telefonverzeichnissen aufgeführt waren. Dies ist sehr wenig wenn man bedenkt, daß es in Österreich allein in Klagenfurt 53 und in Graz 40 Fernsprechanschlüsse des Namen JARITZ zur selben Zeit gibt. In den Nachbarländern Slowenien und Ungarn läßt sich der Name ebenfalls feststellen. Dagegen kommt er in der Slowakei und in Czechien nicht vor.
Bei meinen Forschungen in Österreich stieß ich auf
die Gemeinde JARITZberg. Heute ist der Ort eingemeindet in St.
Bartholomä.
JARITZberg liegt westlich von Graz in einer herrlichen Landschaft
auf einer Anhöhe. Viele Wanderwege durch große
Wälder, vorbei an Weingärten, Obstkulturen und alten
Bauernhausern laden zu einem Urlaub ein. Auch heute (1998) leben
dort noch Familien mit dem Namen JARITZ.
Hierzu das Steiermärkische Landesarchiv in Graz:
"Das Ortsnamensbuch von Joseph von Zahn weist auf die erste
Nennung des Ortes 1292 als Jerenc hin. 1306 wird die Gegend bei
St. Bartholomä "in der Jertz" und Jertzt genannt, 1360
erscheint in einer Urkunde die Schreibung "Jarcz". Die Herkunft
dieses Ortsnamens kann beim derzeitigen Forschungsstand noch
nicht geklärt werden. Ob Vertreter des Namens aus
Glaubensgründen nach Deutschland ausgewandert sind,
ließ sich bisher nicht feststellen. In der Exulantenkartei
mit den Namen all derer, die infolge der Gegenreformation die
Steiermark verlassen haben, kommt der Namen JARITZ nicht
vor."
Das Bischöfliche Ordinariat
Graz-Seckau-Diözesanarchiv in Graz sieht sich ebenfalls
nicht in der Lage etwas über die Bedeutung des
Familiennamens JARITZ bzw. des Ortsnamens JARITZberg zu
berichten. Um 1600 sind aber tatsächlich zahlreiche Steirer
wegen ihres evangelischen Glaubens des Landes verwiesen worden.
Einen Religionskrieg hat es aber in der Steiermark nicht gegeben.
Auswanderungslisten gibt es nur sehr spärlich. So existiert
im Steiermärkischen Landesarchiv nur eine Liste der Grazer
Bürger, die 1599 / 1600 wegen ihrer Weigerung, zum
Katholizismus zurückzukehren, auswandern mußten.
Das Salzburger Landesarchiv teilte am 09.06.1997 mit, daß
geschlossene Auswanderungslisten nur von den Emigranten
existieren, die in den Jahren 1731/33 aus Glaubensgründer,
das Erzstift Salzburg verlassen mußten.
Die Österreichische Akademie der Wissenschaften in Wien,
(Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika)
nimmt wie folgt Stellung:
"Lt. Auskunft von Prof. Rudolf Srämek,
Universität Brunn, handelt es sich um einen Namen
südslawischer Herkunft (ist also im Tschechischen nicht
belegt), der eigentlich als Jaric oder Jaric aufzufassen ist
(d.h. die heutige Endung -itz stellt eine den deutschen
Schreibgewohnheiten angepaßte Lautwiedergabe dar)." Prof.
Heinz Dieter Pohl von der Universität Klagenfurt vertritt
die Ansicht, daß der Ortsname JARITZberg nicht auf einen
Hofnamen/Familiennamen JARITZ (auch Jarz)
zurückzuführen ist. Auf slowenisch heißt er Jaric
"Widder" im Sinne von "aufbrausender, mutwilliger Mensch".
Für den ON selbst kann auf Grund der urkundlichen Belege
diese Deutung nicht angenommen werden. Jertz/Jarcz setzt wegen
des Umlautes ein slow. jarica o. ae. voraus,das zu slow. jar II
"früh, fruehlings" zu stellen ist, daher wird jarica z.T.
mit junges Huhn z.T. mit "im Frühling gesätes Getreide,
Frühlingsweizen u. dgl." in den Wörterbüchern
notiert. Bedenkt man, daß slow. jarica in alten Lexika
(z.B. Kastelec - Vorenc, Dictionarium latino - carniolicum 1680 -
1710) als Übersetzung von latein. far und ador "Dinkel,
Spelt (eine Weizenart)" fungiert, dürfte in Jertz/Jarcz usw.
ein alter Flurname (etwa "Dinkelfeld o.
ä."})vorliegen.