Das Eichsfeld
Zeittafel des Eichsfeld und Rüdigershagen
Auswanderungen aus Rüdigershagen
Die Hagen'schen Fickelhändler
Der Gesangsverein von Rüdigershagen
Jüdische Gemeinde
Die Obermühle
Rüdigershagen war anfangs ein Burgsitz mit zwei Schlössern, die dicht an der ehemaligen Handelsstraße Duderstadt-Mühlhausen lagen. Der Ort - wie auch sein Name - sind eng mit dem adligen Geschlecht derer von Hagen verbunden. In alter Zeit variieren Orts- und Familiennamen von Hain, Hayn bis zum lateinischen Indagine. Die möglicherweise erste Erwähnung des Ortes findet sich in einer Urkunde vom 31.12.1273. Hierin bezeugt Herzog Albrecht von Braunschweig, daß Burchard von Bodungen, "castellanus noster Indagine" - unser Burgmann in Hagen - einen Verkauf getätigt hat. Urkundlich werden Unterwall und Oberwall genannt. Um 1300 besaßen die zwei Brüder, Theodor und Heinrich von Hagen die Burgen. Beide Burgsitze wurden 1315 durch Mühlhausener Bürger zerstört. Offenbar wurde nur der Unterwall später wieder aufgebaut. Im Jahre 1370 übernahmen dann die Brüder Heinrich und Rüdiger von Hagen den Burgsitz. Rüdiger hatte die meisten Anrechte und gab dem Dorf seinen heutigen Namen. 1376 ging Rüdigershagen durch einen Verkauf (mit 9 Hufen Landes und 9 Dienstleuten) an Hartwig von Knorr, von denen es Christoph vom Hagen zu Deuna löste den Unterwall 1544 wieder für seinen Sohn Hans einlöste An Stelle der unteren Burg (Unterwall) wird 1590 das neue Rittergut durch Hans vom Hagen errichtet..

Das Handelswesen und Wandergewerbe, das die Rüdigershagener schon früh in ganz Deutschland bekannt machte, ist durch die Juden entstanden, die u.a. als Hausierer Schwämme, Felle und Webwaren verkauften. Später entwickelte sich daraus der Schweinehandel, dem der Ort einen großen wirtschaftlichen Aufschwung zu verdanken hatte und die meisten Viehhändler (Fickeltreiber) zu wohlhabenden und angesehenen Leuten machte.
Das Wappen (einst Siegelbild der Hagen'schen Ritter) zeigt auf silbernem Grund einen grünen Berg mit einer belaubten Buche. Deren Stamm trägt einen silbernen Wappenschild mit den schwarzen Wolfsangeln aus dem alten Hagenschen Wappen. In den Berg ist ein rechtsspringendes Ferkel eingelegt. Die Buche weist auf die Buchenbestände in der unmittelbaren Umgebung des Dorfes hin.
"Ausführliche
geographisch-statistisch-topographische Beschreibung des
Regierungsbezirkes Erfurt "
von Carl August Noback , Erfurt 1840, p 207
Rüdigershagen
Die Grundherrschaft hat der Graf vom Hagen und über 11
Häuser der Fürst von Schwarzburg-Sondershausen, hat 1
ev. Pfarrkirche (v. Hagen'schen Patronat's), 1 Schule mit
1 Lehrer (81 Knaben, 66 Mädchen), 755 ev., 4 kath. Einwohner
und 75 Juden, 158 Wohnhäuser und 167 Ställe und
Scheunen, 4 Gemeindehäuser, 2 Mühlen, die eine mit 1
Mahlgange im Dorfe, die andere , die Neu-Mühle mit 1
Mahlgange (1H., 5 E.) 1/4 St gen N., im Dorfe sind 2
Schankwirthe, 2 Krüge, 7 Victualienhändler, 1
Bäcker, 2 Fleischer, 2 Schumacher, 3 Schneider, 3 Tischler,
1 Drechsler, 2 Grobschmiede, 2 Hausschlächter, 1 Barbier, 60
Fellhändler, 2 Baumwollen-, 6 Leinwebe.-Stühle, 7
Knechte, 9 Mägde, 1 Rittergut.
Die Flur hält 2464 3/16 Morgen (1717 9/16 Arthl., 18 Gartenl., 32 9/16 Wiesen, 75 Weiden, 550 Waldung (53 Gemeinde-, 497 Privatwaldung), 71 1/16 Wüstland).
Rüdigershagen liegt auf dem Düngebirge an der Grenze der Muschelkalk- und bunten Sandsteinformation. Die Ackerkrume ist ¼ sandiger Lehm, ¼ schwarzer, mit Hasselerde gemischter Boden, 1/4 Kleiboden von schlechter Beschaffenheit, Dreifelderwirtschaft mit besömmerter Brache. Ertrag ziemlich ansehnlich, Wiesen wenig erträglich. Auf dem adelichen Guthe werden 130 Rindvieh u. 450-500 Schafe geweidet. Etwas Gartengewächs und zieml. Obstbau, der jedoch wegen der hohen nördlichen Lage nicht gedeiht, da das Obst nicht die gehörige Reife erlangt, sondern säuerlich bleibt.Von der Holzung (Mittewald) besitzt die gemeinde, die Pfarrei und der Fürst von Schwarzburg-Sondershausen den kleinen Teil; den größten Theil, gegen 400 Morgen,der Graf von Hagen.
Viehstand : 34 Pferde, 140 Rindvieh, 460 halbveredelte Schafe, 42 Ziegen, 20 Schweine, ziemliche Gänsezucht.
Das Eichsfeld
Das Eichsfeld- ein reizvoller und malerischer Landstrich im Nordwesten des Landes Thüringen. Zwischen dem Harz, dem Hessischen Bergland und dem Thüringer Wald erstreckt sich ein von Tälern durchfurchtes Hügelland. Neben Leine und Unstrut, deren Quellen sich hier befinden, schlängeln sich die Flüsse Werra, Wipper und Hahle durch die bergige Landschaft. Das flachere Untereichsfeld ist dem bergigen Obereichsfeld vorgelagert, dessen Gebirgszüge Höhen über 500m erreichen.
Der Name "Eichsfeld" ist der Name einer Landschaft.
Im Jahre 897 erstmals als "pago Eichsfelden"
erwähnt, taucht 950 die Bezeichnung "in pago
Aikesfelt" und 1022 "in pago vero Eichesuelt" auf.
Weitere unterschiedliche Schreibweisen sind später
feststellbar, z.B. 1303 Eichsfeldia oder 1436 Eyßfelde. Die
heimatgeschichtliche Forschung sah im Namen "Eichsfeld"
ein "Eichenfeld" oder" das Feld eines Aiko oder
Eiko". Mehrere Forscher versuchten sich an einer eindeutigen
Klärung. Die bevorzugte Deutung ist eine Ableitung von einem
"Eichenfeld", zumal die Eiche in der Flurnamensgebung
des Eichsfeldes sehr häufig vorkommt. Weniger durchgesetzt
hat sich die Ableitung von einem Eigennamen oder die von einer
Ortschaft ("Eichisa" - Unstrutbereich). Immer wieder
neu belebt werden Deutungsversuche von "Eysfeld" oder
"Eyßfeld" als Hinweis auf ein Gebiet mit rauhem,
eisigen Klima. Dabei werden jedoch nicht klimatische Bezüge,
sondern lediglich Lautverschiebungen ursächlich sein. (aus
"ch" wurde "s" oder teilweise "ss"
- z.B. Ochse mundartlich "Osse")
"... ut quasdom res de beneficio ipsius Chunradi in
pago Eichesfelden ... ob hoc acciperet".
Diese Worte gehören zu einer Erklärung, mit der Kaiser
Arnolf zu Regensburg am 28. Januar 897 einen Tausch der im
Eichsfeldgau gelegenen Lehngüter des fränkischen Grafen
Kunrad mit denen des Abtes Huki von Fulda in Engern und Hessen
bestätigte. Der Text ist Teil der ersten dokumentierten
Erwähnung. Der Eichsfeldgau ist vermutlich schon im
7.Jahrhundert entstanden. Dies geschah, als Bonifatius nach
Thüringen kam, der Legende nach ebenfalls auf den
Hülfensberg, um heidnische Stämme zu remissionieren.
Einige Geschichtsforscher, meinen der Name Eichsfeld rühre
von der ausgedehnten Eichenwäldern her, die in der
Ursprungsregion um Dingelstädt vorhanden waren. Andere
glaubten, eine mythische Person (Aiko) oder ein Fluß
(Eicsia) sei namensgebend gewesen.
Wappenbeschreibung (genauer Wortlaut der
amtlichen Beschreibung):
Im Wappen des Landkreises Eichsfeld erkennen wir den roten,
goldbewehrten Adler auf silbernem Grund, auf der Brust das
sechsspeichige Rad. Das sechsspeichige silberne Rad auf rotem
Grund erinnert an die Jahrhunderte lange politische und
kirchliche Zugehörigkeit zum Erzstift Mainz. Der rote Adler
sagt uns, dass das Eichsfeld 1801/03 preußisch wurde und
dass sein Wappen von 1817 bis 1873 im preußischen Wappen
vertreten war.
Zeittafel des Eichsfeld und Rüdigershagen
[Eichsfeld: Grundlage Prof. Schneiderwirth]- ca. 3000 v.Chr.
- Erste nachweisbare Besiedlung (Bandkeramiker)
- ca. 1800 v.Chr.
- keltische Bevölkerung (Bronze und Eisenzeit)
- ca. 500 v. Chr.
- Besiedlung durch thüringische Volksstämme (Völkerwanderung)
- 531
- Die Merowinger zerschlagen das Thüringer Reich,
fränkische Herrschaft,
erste Reichshöfe, Beginn der Christianisierung - 814
- Die Einführung des Christentums auf dem Gebiet des
Eichsfeldes kann als abgeschlossen angesehen werden;
Pfarrkirchen in Heiligenstadt, Duderstadt, Gieboldehausen sind als die ältesten zu betrachten. - 897
- Das Eichsfeld wird erstmals urkundlich erwähnt. Es
besteht aus 6 Gauen: Gau Eichsfeld - Westgau - Gau Germark - Gau
Ohmfeld - Mark Duderstadt - Bisgau
Das Gebiet wird von 3 Volksstämmen, den Thüringern, Sachsen und Slawen bewohnt - 897
- Otto, wahrscheinlich Otto der Erlauchte Gaugraf des Eichsfeldes.
- 973
- Kaiser Otto II. stellt in Heiligenstadt am 23. November eine Urkunde für das Bistum Freising aus.
- 990
- Otto III. unterzeichnet ebenda am 20. Januar zwei Urkunden, welche Schenkungen an das Kloster Hilwardshausen an der Weser unweit Münden betreffend
- 993
- am 15. Januar erteilt hier der Erzbischof Willigis von Mainz dem hl. Bernward von Hildesheim und im Jahre 1000 Burkhard von Worms die Bischofsweihe.
- 1022
- Am 9. Dezember stellt Heinrich IV. in der Burg Grone bei Göttingen einen Schenkungsbrief für das Martinstift zu Heiligenstadt aus, in welchem demselben eine Hufe Landes und zwei Höfe im Dorfe Geislaha - Geisleden - geschenkt werden.
- 1070
- Die Burg Hanstein, damals im Besitze des Grafen Otto von Nottheim, eines Gegners von Heinrich IV., wird durch diesen Kaiser völlig verwüstet.
- 1074
- Die Hasenburg bei Neustadt wird von aufrührerischen Sachsen zerstört, aber 1075 von Heinrich IV. wieder hergestellt.
- 1093
- Erzbischof Ruthard von Mainz hält in Heiligenstadt eine Synode ab, an der Bischöfe, Äbte, Pröpste, Grafen und Edle teilnehmen.
- 1108
- schenkt der Erzbischof der Kirche zu Heiligenstadt für sein Seelenheil 5 Kirchen, unter diesen die Kirche zu Uder.
- 1153
- Kaiser Friedrich Barbarossa nimmt ebenda am 29. Mai Schenkung an das Kloster Fredelsloh vor.
- 1164
- Kaiser Barbarossa läßt, um sich an dem Erzbischof Konrad von Mainz, seinem Gegner, zu rächen, das Schloß Rusteberg durch den Landgrafen Ludwig von Thüringen verwüsten; jedoch wurde dasselbe sofort wieder aufgebaut und blieb auch in der Folgezeit die Residenz der kurfürstlichen Vicedomini.
- 1169
- Kaiser Barbarossa (Friedrich I.) besucht Heiligenstadt zum zweiten Mal und beurkundet daselbst am 20. Jan. dem Kloster Bolling in Oberbayern die Rückerstattung eines Gutes.
- 1270
- Ersterwähnung von Rüdigershagen -> Hauptstaatsarchiv Hannover Cal.Br.Des100 Kattenburg Nr. 22
- 1525
- Heiligenstadt und das Eichsfeld leiden schwer infolge des Bauernkrieges. Thomas Müntzer und Heinrich Pfeiler, ein aus dem Kloster Reifenstein kommender Mönch, sind die Anführer. Die eichsfeldischen Bauern nehmen Anteil. Die Klöster Anrode und Zella, die adeligen Höfe zu Diedorf und Katharinenberg, das Kloster Reifenstein, für welches Michael Zimmermann aus dem benachbarten Kleinbartloff das Feuer heranholt, zu Worbis, Beuern, Teistungenburg, Gerode, die kurfürstlichen hlösser Scharfenstein und Harburg: sie alle werden verwüstet, ausgeplündert und verbrannt. So wird die Harburg bei Hainrode, bereits 1164 auf Befehl Kaiser Friedrich I. zerstört, weil der Erzbischof Konrad es mit den Gegnern des Kaisers hielt, dann 1246 wieder aufgebaut, nunmehr ein Trümmerhaufen, deren letzte Reste zu anderweitigen Bauten verwandt werden sollen. Nicht weniger als 70 Klöster in Thüringen und Umgegend fallen den Empörern zum Opfer, ohne die zahlreichen Adelssitze. Thomas Müntzer predigt neben der Liebfrauenkirche in Heiligenstadt unter freiem Himmel, da die Kirche die Menge der Zuhörer nicht fassen kann. Der Erfolg seiner gegen Adel und Geistlichkeit gerichteten Predigt ist, daß sich in Heiligenstadt ein furchtbarer Aufstand erhebt, die Wohnung der Stiftsgeistlichen erstürmt, verwüstet, die Kirchen geplündert werden.
- 1558, 1581, 1597, 1611, 1626
- Das gesamte Eichsfeld, Stadt und Land, wird von Hungerjahren, Teuerung und Pest fürchterlich heimgesucht. 1611 werden in Heiligenstadt 600 Menschen, in Duderstadt im Jahre 1626 gegen 2000 von der Pest hingerafft.
- 1592
- Bau des Gutes Rüdigershagen
- 1618-1648
- Das Eichsfeld wird durch den Dreißigjährigen Krieg fast zur Wüste gemacht.
- 1623
- Herzog Christian von Braunschweig läßt das Kloster Gerade und das Dorf Lüderode abbrennen
- 1626
- Der Herzog läßt weitere siebzehn eichsfeldische Dörfer verbrennen und für 20 000 Thlr. Vieh von da wegtreiben.
- 1632
- im Monat Juni und Juli von Mühlhäusern, besonders von Weimaranern das Dorf Struth, Faulungen, Bickenriede, das Kloster Anrode, in Dingelstädt die Häuser an der langen Gasse von der Schenke an, die Ortschaften Helmsdorf, Zella, Kefferhausen, Küllstedt, Wachstedt, Gernrode, Martinfeld, Silberhausen zum größten Teil und das Rathaus zu Worbis ausgeraubt, geplündert und niedergebrannt. Besonders häufig sind die Durchzüge der Schweden, bei denen es ohne Verwüstungen nicht abgeht.
- 1680-1682
- Bau der ersten Schule in Rüdigershagen
- 1682
- Die Pest, angeblich durch einen Lederhändler von der Leipziger Messe eingeschleppt, wieder auf dem Eichsfeld. Sie wütet besonders in 21 Ortschaften des Eichsfeldes. In Duderstadt allein sterben gegen 700 Menschen, in Worbis 453. Von Mühlhausen aus hält die Seuche ihren Einzug in das Amt Bischofstein und rafft daselbst über 1700 Menschen hinweg.
- 1686
- Bau der Rüdigershagener Kirche
- 1730
- Zu dieser Zeit, bis zur französischen Herrschaft über das Eichsfeld, gibt es Ansätze blühender Industrie, so in Großbartloff, Birkungen, Worbis, Ershausen, Küllstedt, Büttstedt, Duderstadt (Raschfabrikation, Verfertigung von Crepon, Färberei, Wollfabriken und Pulvermühlen in Worbis).
- 1756-1763
- Der Siebenjährige Krieg schlägt durch die ungeheuren Brandschatzungen dem Eichsfeld neue schwere Wunden. Abermals ist das Land allen Greueln des Krieges preisgegeben, so dass es z. B. nur an Kriegssteuern und an Brandschatzungsgeldern 1.159.532 Thl.bezahlen muß.
- 1802
- Das Eichsfeld wird preußisch
- 1803
- Die Klöster Gerade, Zella, Reifenstein und das Mattinsstift zu Heiligenstadt werden aufgehoben.
- 1815
- Wiener Kongreß : Das Eichsfeld (auch Rüdigershagen) wird wieder königlich preußisch. Der preußische König Friedrich Wilhelm hat bereits in seinem Besitzergreifungspatent vom 21.06.1815 seine Herrschaft über Rüdigershagen bekannt gemacht. Das Dorf wird dem Kreis Worbis zugeordnet.
- 1830
- Bau der Gemeindeschenke Rüdigershagen
- 1836
- Bau der zweiten Schule in Rüdigershagen
- 1866
- Durchzug der Hannoveraner; das Untereichsfeld wie das ganze Königreich Hannover wird mit dem Königreich Preußen vereinigt und ist somit wieder preußisch geworden.
- 1867
- Eisenbahnbau im Eichsfeld (Halle-Kassel); Leinefelde proftiert vom Knotenbahnhof und entwickelt sich beschleunigt.
- 1872
- Pflanzung der Friedenseiche im Unterdorf Rüdigershagen
- 1875
- Bau des R. Gemeindebackhauses
- 1880
- Niedergang der Handweberei und des Flachsanbaus. Zunahme der Wanderarbeiterbewegung und der Auswanderung.
- 1901
- Die Kaliförderung wird für den Kreis Worbis bestimmend.
- 1901-1902
- Bau der Neuen Schule in Rüdigershagen
- 1902
- Fernsprechanschluß
- 1908
- Wasserleitungsbau
- 1912-1913
- Stromanschluß
- 1914
- elektrische Straßenlaternen in Rüdigershagen
- 1914-1918
- 1. Weltkrieg. Das Eichsfeld bleibt von Kampfhandlungen verschont, hat aber dennoch zahlreiche Opfer zu beklagen.
- 1920-30
- Kriegsfolgen, Inflation und Wirtschaftskrisen lassen die Zahl der Wanderarbeiter und Auswanderer im Eichsfeld enorm ansteigen.
- 1934-1935
- Bau der Abwasserentsorgung in Rüdigershagen
- 1945
- Das Eichsfeld liegt im Schnittpunkt der 3 Besatzungszonen.
Amerikanische, englische und sowjetische Besatzungszonen
berühren sich hier unmittelbar. Riesige Flüchtlings-
und Heimkehrerzüge durchqueren das Eichsfeld. Das
Obereichsfeld erlebt den Besatzungswechsel, als Thüringen
gegen Westberlin ausgetauscht wird.
Im Nachgang bringt das Wanfrieder Abkommen einen weiteren Gebietsaustausch. Das Obereichsfeld gehört zur Sowjetischen Besatzungszone (Land Thüringen) und das Untereichsfeld zur englischen Besatzungszone (Land Niedersachsen). Die 1816 bzw. 1866 geschaffene Grenze trennt nun zwei Systeme und wird zur Staatsgrenze. - 1970
- Neuaushub des Gutsteiches
- 1984
- Abriß des Gutswohnhauses
- 1993
- Gasanschluß
Auswanderungen nach Amerika
[Thüringen-Blätter zur Landeskunde, Erfurt
1994, "Peaks of immigration" J. Lee and R. Siemborski,
Eichsfeld, Auswanderung nach Amerika 1816-1891, Verlag
Rockstuhl]
Das 19. Jahrhundert kann aus amerikanischer Sicht in 3
große Perioden der Emigration geteilt werden. Jede
"Welle" ist geprägt von Einwanderungen aus
verschiedenen Regionen Europas.
1820-1860 Großbritanien, Irland und (West)Deutschland
1860-1890 Großbritanien, Irland, Skandinavien, Deutschland
1890-1910 Österreich, Ungarn, Italien, Rußland
In dieser Zeit verließen ca 46 Millionen Menschen Europa,
um in den USA ein neues und besseres Leben zu beginnen.Von den
Auswanderern waren schätzungsweise 6 Millionen Deutsche.
Eine große Welle aus Deutschland kam in den 1830er Jahren.
Zwischen 1840 und 1850 rechnet man mit 4 Millionen deutschen
Emigranten.
Mitte des 19. Jh. bestand Thüringen aus einem
Großherzugtum, drei Herzogtümern, vier
Fürstentümern, einem preußischen und einem
kurhessischen Anteil. Es war daher ziemlich schwierig,
Auswanderungen flächendeckend zu organisieren. Auswanderer
brauchten sowohl eine Erlaubnis vom Landesherren, als auch eine
Reisegenehmigung der örtlichen Behörde. Anlaufstelle
für die Übersiedlung nach Amerika war für die
meisten Thüringer die Stadt Bremen. Über die
Flüsse Werra, Fulda und Weser konnte man Bremen innerhalb
kürzester Zeit erreichen. Die Überfahrt von Bremen
dauerte etwa 14 Tage.
Die Ursachen, warum die Menschen auswanderten waren
vielfältig. Die Eichsfelder Landwirtschaft war nicht
imstande, die Menschen zu ernähren. Erst mit der
Einführung und Verbreitung der Hausindustrie und Handweberei
ging es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts aufwärts. Mit dem
Niedergang der Textilindustrie ab 1790 blieb den Tausenden nur
noch der Kampf um die eigene Existenz.Viele wanderten teils
für mehrere Monate im Jahr hinaus in die Umgebung, auf die
Rübenfelder der Magdeburger und Braunschweiger Gegend, zu
Ziegelein und Zuckerfabriken oder zum mühsamen Hausieren mit
Reff und Karren.
Ein großer Teil der Eichsfelder aber wanderte nach Amerika
aus. Von 1830 bis 1891 waren es fast 1100 Personen (zum
Vergleich: 1852 lebten 122590 Menschen im Eichsfeld !).
Auswanderungen nach Nordamerika sind belegt aus Rüdigershagen, Treffurt, Wachstedt,
Silberhausen, Beberstedt, Helmsdorf, Küllstedt,
Büttstedt, Bieckenriede, Effelder, Struth, Faulungen,
Diedorf, Wendehausen und Heyerode.
Auch in den Rüdigershagener Kirchenbüchern findet man zwei Hinweise auf Emmigration. 1845 von Henriette Friederika Göhring und 1846 wanderte die gesamte Familie Johann Bernhard Rupprecht mit 2 Kindern nach Amerika aus. Hinweise auf andere Auswanderungen tauchen nicht auf.
15.04.1845 Henriette Friederika Göhring *11.11.1820 [Kb Geborene /1820]
24.07.1846 Johann Bernhard Rupprecht °°16.02.1840 [Kb Copulierte 4/1840]
und Maria Christina geb. Lauterbach (29) mit 2 Kindern :
Carl Andreas Rupprecht *16.04.1842 [Kb Geborene 12/1842]
Caroline Maria Cath. Rupprecht *13.11.1844 [Kb Geborene 4/1844]
Die Hagen'schen Fickelhändler
[Doris Lauterbach, 1995]Um 1840 gab es hier allein 60 Fellhändler. Weiter wurde
mit Pferden und Schweinen gehadelt.
Im Jahre 1897 hatte Rüdigershagen durch die Schweinehändler den
höchsten Betrag (7128 Mark) an Wandergewerbesteuer an den
Kreis abzuführen. Der Ort brachte somit den vierten Teil der
gesamten Kreissteuer auf. Unter den 133 Steuerpflichtigen des
Ortes um die Jahrhundertwende waren allein 108 Handelsleute. Am
17.02.1900 wird der Verein "Vereinigte Viehhändler von
Rüdigershagen und Umgebung" mit 88 Mitgliedern
gegründet. Den Vorsitz führte Fritz Schnellhardt. Durch
die Initiative des Viehhändlervereines hatte der Ort schon
früh Telefon-, Wasser und Stromanschluß. Der
älteste Schweinehändler, Karl Jaritz I. erhielt im
November 1904 seinen 61. Hausiergewerbeschein.
Am 29.01.1927 beschloß der Verein eine Auto-Verkehrslinie
Rüdigershagen-Mühlhausen und Rüdigershagen-Worbis
ins Leben zu rufen. Am 15.05.1929 wird die Linie nach
Mühlhausen in Betrieb genommen. Am 12.12.1929 nahm die
Kraftpost ihren Betrieb auf.
Der Gesangsverein von Rüdigershagen
Das Foto stammt aus dem Jahre 1904